Die Mitgift des Verfalls

Durch eine Leserunde bei Lovelybooks bin ich zu dem folgenden Buch gekommen. Beworben wurde es als ein historischer Roman ohne Glitzerstaub und überbordende Lovestory. Das hat mich neugierig gemacht und so kommt hier meine Meinung zu

Die Mitgift des Verfalls

(Die Steinhardt Chronik 1)

von

Christoph Manhardt

430 Seiten

Die Mitgrift des Verfalls
Die Steinhardt Chronik 1

Klappentext:

Inspiriert von realen Vorfahren des Autors.

Triest, 1890. Als ein skrupelloser Baron das Handelsimperium ihrer Familie zerstören will – und Auguste Bramherr als persönliche Beute einfordert –, sucht sie keinen Retter. Sie sucht eine Waffe.

Leutnant Max von Steinhardt besitzt nichts außer einer zerschlissenen Uniform und einem Stolz, der ihn umbringt. Als ein Sabotageakt ihn in die Knie zwingt, fälscht Auguste Bilanzen, betrügt Banken und zahlt die astronomische Heiratskaution der k.u.k. Armee, um ihn freizukaufen. Der Preis: eine Ehe, die keiner von beiden wollte.

Was als kalter Pakt beginnt, wird zum gefährlichsten Spiel in Triest. Denn Auguste entdeckt, dass der Baron nicht nur Kaffee schmuggelt – sondern Waffen. Und das Familiengeheimnis, das Max ihr anvertraut hat, könnte sie beide an den Galgen bringen.

In einer Stadt, in der Ehre käuflich ist und Liebe ein Luxus, den sich niemand leisten kann, müssen Auguste und Max entscheiden: Vertrauen sie einander – oder zerstören sie sich gegenseitig?

Rezension / Meine Meinung:

Die Geschichte beginnt im Jahre 1806, als die Franzosen Wien überfallen. Ein kurzes, düsteres Intro macht klar, diese Geschichte zeigt die Ereignisse der damaligen Zeit unparfümiert und ohne Filter.

Dann ein Switch zum Jahre 1890. Die Frauen Familie Bramherr kommen aus Wieh in Triest an. Nach der langen Reise sind Mutter und Tochter erschöpft und wollen nur noch ins Kontor zum Vater. Doch bei der Einreise gibt es am Zoll Verzögerungen. Auguste, die Tochter Bramherr, ist genervt und zeigt sich stolz und resolut. Nach einem Disput und einer unüberlegten Handlung hat sie plötzlich die Bürgschaft für einen verarmten Leutnant übernommen.

Nun nimmt die Geschichte also ihren Lauf. Auguste hat mit ihrer Handlung nicht nur Baron Pless erzürnt, sondern auch Leutnant Max Steinhardt selbst. Denn für ihn ist es eine Demütigung, von der feinen Dame abhängig zu sein. Doch bald schon haben Max und Auguste ganz andere Sorgen. Auguste kennt sich perfekt mit Buchhaltung aus und erkennt schnell, dass die Familie Bramherr bankrott ist. Nun versucht sie alles, um das Vermögen wieder herzustellen. Sie jongliert mit Zahlen, Schiffsladungen und Kaffeelieferungen… es war für mich nicht immer einfach, der Handlung zu folgen. Den buchhalterischen Tricks und Betrungsmaschen war ich kaum gewachsen.

Max will Auguste helfen, denn er kennt sich hervorragend im Hafen und bei den Verwaltern aus. Doch dann trifft ihn die Rache des erzürnten Barons hart…

Die Geschichte ist wahrlich nicht romantisch oder geschönt. Sie zeigt den Schmutz, den Gestank und die Schmerzen der damaligen Zeit und so ist das Lesen selbst eine bewußte Reise in eine gnadenlose Welt.

Die Story ist in harten, kurzen Sätzen geschrieben, gespickt mit viel historischem Wissen und kaufmännischem Jonglieren mit Zahlen. Nicht immer einfach zu Lesen, doch wer die Historie ungeschönt erleben möchte, kommt hier voll auf seine Kosten. Besonders die wunderbaren Protagonisten und deren emotionale Eigenschaften machen das Buch aus. Auguste, die willensstarke Frau, die alles dafür gibt, dass die Familie Bramherr nicht untergeht. Max, der mit seiner militärischen Härte und seinem Stolz, die seine einzigen Werte sind, an seine emotionalen Grenzen stößt. Pless, der mich mit seiner ekelhaften Art und seiner Selbstüberschätzung maßlos geärgert hat.

Ein interessanter Auftakt einer Familiensaga ohne viel Schnickschnack, dafür mit sehr viel Härte und echten Emotionen aus einer Zeit, in der ein einziges Wort eine Familie zerstören konnte.

Von mir gibt es gute 4 Sterne


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