Die Autorin Zoe Leonhard hat mir mit ihrem Buch ein außergewöhnliches Werk zur Verfügung gestellt, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat. In dem Historienroman geht es um eine mutige Frau, die zur Zeit der Wikingerkriege in England ihren ganz eigenen Weg geht… als MANN!
Die Friedenskriegerin Teil 1
Merciens Lied
von
Zoe Leonhard
661 Seiten

Klappentext:
England, 1016 trifft 1066.
An der Geschichte Englands Interessierte wissen um die Eroberung Englands durch Herzog Wilhelm von der Normandy. Dass diese jedoch schon 1016 mit der Eroberung eines Wikingers begann, ist kaum bekannt.
Eadric,
– eine Frau, die dermaßen in der Rolle eines Mannes aufgeht, dass sie oft vergißt, keiner zu sein.
– Zum mächtigsten Mann des Reiches aufgestiegen, hat Ealdorman Eadric einen Platz unter den elf schlimmsten Briten der Geschichte.
Eadric will einen dauerhaften Frieden, nach über dreihundert Jahren Krieg. Und wenn sie dafür einen Wikinger auf den englischen Thron setzten muss, so sei es.
Egal, wie viele Tote das fordert – um langfristig unzählige Menschenleben zu retten.
In einer Welt des Krieges, in der die physische Körperkraft über Leben und Tod bestimmt, erkämpft sie sich den Weg zur Macht.
Begreift sie zu spät, dass ihr Plan den Untergang derer bedeutet, die sie liebt ?
Jarl Thorkell, Anführer der gefürchteten Jomswikinger, will Rache für den Tod seines Bruders, den der Ealdorman mit unzähligen anderen Dänen am Tag des heiligen Sankt Brictius ermordet haben soll. Der Jarl zieht seine Truppen zusammen und greift Shrewsberie, den Hauptsitz Eadrics an.
Eine unmögliche mitreißende Beziehung zwischen zwei Herrschern
welche, um ihr Land vor dem endgültigen Untergang zu bewahren, sämtliche Grenzen überschreiten.
Auch wenn sie dafür das größte Opfer bringen müssen.
Rezension / Meine Meinung:
Anfangs hatte ich großen Respekt vor der Geschichte. Die vielen ungewöhnlichen Namen, das mittelalterliche Setting, die harte Realität. Allerdings machte es mir Eadric leicht, tief in die Materie einzutauchen. Ihr Charakter, ihre innere Zerrissenheit, ihre angenommene Identität, die sie nach und nach vollkommen ausfüllt.
Bald schon klebte ich an den Seiten und verfolgte mit Spannung und Entsetzen, wie Menschen manipuliert wurden, wie brutal Anordnungen umgesetzt wurden und wie die Wut in Eadric immer wieder mit Macht an die Oberfläche tritt und zu furchtbaren Entscheidungen führt.
Eadric will nichts weiter als Frieden. Doch für dieses Ziel geht sie über viele Leichen. Sie/er erkämpft sich Macht, Einfluss und Treue durch Rücksichtslosigkeit und ohne Erbarmen. Auch um ihr größtes Geheimnis zu wahren, nämlich, dass sie kein MANN ist, geht sie über Leichen. Niemand soll anzweifeln, dass es sich bei Eadric um einen Mann handelt. Dabei fühlt Eadric sich nicht verkleidet oder verstellt, er ist fest davon überzeugt, ein Mann zu sein. Nur sein Körper ist anders. Auch wenn diese innere Zerrissenheit nicht übermäßig thematisiert wird, fand ich gerade diesen Aspekt extrem spannend… in einer Zeit, in der Frauen keine Macht hatten und sich den Männern unterzuordnen hatten.
Eadric wird, je mehr er sich als Mann sieht, je mehr Macht er bekommt, gnadenloser und brutaler. Diese Entwicklung fand ich sehr nachvollziehbar geschrieben. Man versteht genau, warum sie so handelt und wie es dazu kam, dass sie keine Gnade mehr zu kennen scheint.
Eine Geschichte in einer brutalen Welt, in einem kalten, dunklen Zeitalter. Hier wird nichts romantisiert, es ist roh, es ist kalt, es ist schmutzig. Es gibt Flöhe und Läuse und Blut klebt und stinkt. Gerade das fand ich an dem Buch so unglaublich fesselnd, grausam ehrlich und nahbar!
Als die Wikinger über das Land herfallen und Eadric einen blutigen Kampf um sein/ihr Land kämpft, als der Blutrausch einsetzt… als zarte Gefühle in Eadric aufwallen… ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen!
Unglaublich, emotional ehrlich, kalt und fesselnd. Besser kann man die damalige Zeit, glaube ich, nicht zum Leben erwecken! Ich bin begeistert!
5 Sterne

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