Die Lotosblüte

Heute habe ich ein ganz besonderes Buch für euch. Das Buch eines koreanischen Bestseller-Autors über eine Kurtisane und ihren schicksalhaften Weg… traurig? Lest es:

Die Lotosblüte

von

Hwang Sok-Yong

496 Seiten

Bildquelle und Klappentext:
Europa Verlag

Klappentext:

Denkt man an ein märchenhaftes Schicksal, so kommt man nicht sofort auf Kurtisanen und Frauenhandel, doch es ist tatsächlich ein alter koreanischer Mythos, der diesem Meisterwerk zugrunde liegt. Darin entführt Hwang Sok-Yong den Leser in das Asien des 19. Jahrhunderts, in eine Welt des Opiumhandels und der Prostitution: Von der Stiefmutter verkauft, findet sich die 15 Jahre alte Shim Chong plötzlich als Zweitfrau eines alten Chinesen wieder. Lenhwa, Lotosblüte, heißt sie jetzt, und alles ist so furchtbar anders, als sie es gewohnt ist. Viel zu essen hatte sie nie, und Betteln war ihr täglich Brot, denn sie diente ihrem blinden Vater als Augenpaar, doch der Alltag in dem fremden Haushalt kommt ihr erst recht vor wie ein böser Traum. Als ihr Ehemann stirbt, wird ihr schmerzlich bewusst, dass dies für sie nur die erste Station einer Odyssee ist, die sie, als Handelsware missbraucht, von den Ufern des Gelben Flusses über Shanghai, Taiwan und Singapur bis in das Land der Geishas führen soll. Nach unzähligen sinnlichen wie schmerzvollen Erfahrungen entdeckt Shim Chong eines Tages die Macht ihres Körpers und nimmt ihr Leben in die eigenen Hände.

Meine Meinung:

Von der ersten Seite an wird der Leser in ein Buch hinein katapultiert, das mit blumiger Sprache und ausschweifenden Sätzen dominiert. Hier ist erst einmal Konzentration gefordert. Schade, dass nicht näher auf die Zeit der Handlung eingegangen wird. Ich wußte nicht recht, spielt die Handlung in der heutigen Zeit, vor 100 Jahren oder wann.. das erschließt sich aus dem Text erst spät. Eine echte Jahreszahl fand ich nicht direkt.

Das junge Mädchen Chong wurde offensichtlich entführt, was sich aber erst später genauer klärt. Sie wird an einen alten Mann verkauft, der daran glaubt, durch ihre Jugendlichkeit ebenfalls jung zu bleiben. Eine ganze Weile lebt sie in seinem Haushalt, als sein Jungbrunnen… behält aber ihre Unschuld.

Als der Alte stirbt, kommt es zu einem tragischen Zwischenfall und Chong landet in einem Freudenhaus. Hier ist sie zunächst nur für das Bedienen mit Getränken zuständig. Denn der Herr des Hauses beansprucht sie für sich. Doch irgendwann „muß“ auch Chong, bzw. Lenhwa, wie sie mittlerweile heißt, den einen oder anderen hochrangigen Gast auf ein Zimmer begleiten. Dies scheint ihr aber nichts auszumachen. Im Gegenteil genießt sie die Macht, die sie hier über Männer hat und das Geld, dass ihr diese Leistung einbringt. Als sie sich eines Tages in einen jungen Musiker verliebt, heiratet sie ihn heimlich und arbeitet weiter, als sei nichts gewesen.

In kurzen, sehr stark komprimierten Sätzen erfährt der Leser nun von der Besetzung Chinas durch die Brieten, von Unruhen und dem Angriff auf die Stadt. Lenhwa muß mit den Frauen fliehen und es gelingt ihr, sich mit ihrem Geliebten abzusetzen. Doch in einer fremden Stadt wird sie durch einen Mädchenhändler entführt und wieder einmal verkauft.

Sie landet mit vielen anderen Mädchen weit entfernt auf einer Insel und ernennt sich, durch ihre Erfahrungen, kurzerhand zur Aufpasserin über die Mädchen.

Die Story ist gefüllt mit vielen Nebensächlichkeiten, die blumig ausgeschmückt werden. Viele chinesische Sagen, Lieder und Legenden. Politische Veränderungen und Unruhen werden dagegen viel zu kurz umrissen, um sie verstehen zu können. Sie sind aber für die Story wichtig.

Lenhwa selbst ist eher kühl distanziert, was aber durch ihre Vergangenheit und die chinesische Erziehung verständlich ist. Allerdings kann man sich als Europäer wohl eher weniger in sie hinein versetzen. Aber das störte mein Lesevergnügen nicht. Ich hatte eher ein Problem mit den vielen Nebensächlichkeiten, den zu ausschweifenden Erklärungen des Alltags, den Kleinigkeiten auf den Wegen, die Lenhwa nahm… ohne viel über ihre Gefühle zu erfahren.

Nach einem Drittel des Buches kam bei mir leider Langeweile auf. Ich verstand die politischen Hintergründe nicht, die zu den vielen Unruhen führten, denn sie wurden kaum erklärt. Und ich verstand den Umgang mit den Mädchen nicht, denn auch hier fehlte mir ein genauerer Einblick in die Kultur des Landes. Es wird leider zu viel Wissen vorausgesetzt.

Und so flog ich am Ende eher durch das Buch, übersprang immer mal wieder Seiten… was eigentlich schade ist, denn die Story ist durchaus interessant.

Das Buch erklärt den Weg einer jungen Frau, der zwar als „Leidensweg“ bezeichnet werden könnte, aber wenig Leid spüren lässt. Durch Lenhwa´s distanzierte, berechnende Art fällt eine emotionale Bindung mit der Protagonistin schwer.

Mit viel Geduld und Fantasie bekommt der Leser hier sicher eine interessante Geschichte. Allerdings ist das Verständnis für die jeweilige Situation schwer.

Für mich war die Story eher anstrengend, emotional kalt und zu fern MEINER Realität.

3 Sterne


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