Allgemein, fantasy, horror

Eduschée

Und ab gehts, heute kommt wieder Fantasy ins Spiel… aber wir werden ernst.. und der Fantasyanteil hält sich auch in sehr geringen Grenzen… denn eigentlich folgen wir den Protagonisten ins finstere Mittelalter….

EDUSCHÉE

erbarmungslose Jagd

von

Timothy Dawson

(ca. 315 Seiten)

Klappentext:

Die junge Marla träumt von Abenteuern und der großen, weiten Welt. Als eines Abends das Gasthaus ihrer Eltern überfallen wird, werden die Träume zwar Realität, doch Marla verliert mehr, als ein Mensch zu geben hat. Sie schwört Rache und begibt sich zusammen mit dem mysteriösen Söldner Zacharias auf einen Rachefeldzug durch die Südmark.

Dabei kreuzen seltsame Gestalten ihren Weg, so geheimnisvoll wie das Land selbst: der Schattenjäger Bogdan, die blinde Hexe Misha, das Schubkarrengespann Wulff und Etzel, der beringte Ansgar, Wolly die Wildsau – und die Wächterin der Seelen höchstpersönlich.

Meine Meinung:

 Ein wirklich vielschichtiges Werk…

Die Geschichte beginnt mit einem Attentäter, der auf der Folterbank selbst unter schlimmster Folter nicht seinen Auftraggeber Preis gibt. Und einem Foltermeister, der an seine Grenzen stößt. Und mit einem König, der außer sich vor Wut ist, auf den Attentäter und den Foltermeister, der sein Handwerk wohl doch nicht so gut versteht!

Und dann lernt der Leser Kapitel für Kapitel die unterschiedlichsten Protagonisten kennen. In detaillierten Geschichten reist man mit einem Söldner in ein Gasthaus, in dem ein mörderischer Überfall stattfindet. Und er, Zacharias, gerät unfreiwillig mitten hinein. An seiner Seite, ebenfalls mehr als unfreiwillig, die Schankmagd Marla. Diese trifft ein hartes Schicksal, dem sie sich aber mit viel Wut und wilder Rache ergibt.

Die Geschichte des Schattenjägers, der auf einen Irrwicht trifft, ist spannend, faszinierend und abergläubisch.

Dann wären da noch die Hexen, die irgendwann ins Geschehen „stolpern“… zwar einen entfernten Bezug zur Geschichte haben, aber nur am Rande auftauchen.

Wulff und Etzel haben eine ganz eigene Geschichte. Diese ist wahnsinnig spannend, nervenaufreibend und furchtbar zugleich.

Wolly und Ansgar… zwei vollkommen unterschiedliche Menschen. Ein verfilzter Penner, der sich in dunklen Ecken herumtreibt und wirres Zeug redet… und ein junger Mann, der nach einem tragischen Verlust keine Zukunft mehr sieht… und beide verbindet am Ende eine Geschichte…

Und zwischendrin trifft man immer wieder auf die ehemalige Schankmagd, nun mörderischer Rangeengel, an Zacharias Seite. Und man erfährt mehr von Zacharias, dem Geheimnisvollen.

Die Geschichte ist trotz Fantasyelementen sehr realistisch mittelalterlich erzählt. Hier gibt es keine Mittelalterromantik mit starken Prinzen und hübschen Prinzessinnen. Es wir das wahre Mittelalter abgebildet, mit Mord, Folter, Vergewaltigung und Elend. Mit Dreck, Gestank und Ungerechtigkeit.

Jede einzelne Story ist hervorragend geschrieben, mitreißend und die Protagonisten wunderbar beschrieben. Man ist gefangen von den Ereignissen und kann sich dem Sog der Ereignisse nicht entziehen.

Einziger Minuspunkt: Durch die vielen, sehr detaillierten Einzelschicksale und Geschichten, habe ich das „Große Ganze“ immer wieder aus den Augen verloren. Der „rote Faden“ zieht sich eher als sehr dünner Zwirn durch die Geschichte.

Im Prinzip ist es eine hervorragende Geschichtensammlung, die entfernt irgendwie zusammen passt. Was nicht schlecht ist, denn die Storys sind wirklich außerordentlich gut.

Aber am Ende, wenn sich alles irgendwie zusammenfügt, dann hatte ich als Leser das Gefühl, zwischendrin den Faden verloren zu haben und erst mal alle Enden wieder zusammennehmen zu müssen…

Wer auf realistische, blutige, ehrliche und auch gefühlvolle Mittelaltergeschichten steht, sollte sich dieses Buch unbedingt ansehen!!

Von mir bekommt „Eduschée“

4 Foltermeister- Sterne.